Interview

Interview mit Michael Meisheit- oder doch mit der Autorin Vanessa Mansini? [Interview]

20. Februar 2016
Interview Michael Meisheit

Interview Michael Meisheit

Im März 2015 habe ich Michael Meisheit auf der Leipziger Buchmesse getroffen und durfte außerdem bei der tollen und außergewöhnlichen Lesung von „24 Stunden – 24 Autoren“ bei amazon teilnehmen. Dieses Buch und auch die Lieblingsautoren stelle ich euch noch einmal gesondert vor – ihr dürft euch freuen! Jetzt kommen wir aber erst einmal zu dem spannenden Interview von Michael – oder vielleicht hat es gar Vanessa gegeben???

Michael Meisheit hat an der Filmakademie Baden-Württemberg Film studiert – mit dem Schwerpunkt „Drehbuch“. Sozusagen vom Studium weg wurde er 1997 als Drehbuchautor für die Fernsehserie „Lindenstraße“ engagiert. In den letzten 15 Jahren hat er knapp 300 Folgen für die Endlosserie geschrieben. Nebenher arbeitete Michael Meisheit als Autor bei der Telenovela „Rote Rosen„. Außerdem hat er diverse Serienkonzepte und Spielfilme entwickelt. Verfilmt wurde die Familienkomödie „Dann kam Lucy„, die im April 2012 in der ARD ausgestrahlt wurde. Seit 2012 schreibt er in seinem Blog michaelmeisheit.de über die Arbeit als Roman- und Drehbuchautor.
2013 veröffentlichte Michael Meisheit unter dem Pseudonym „Vanessa Mansini“ den Blogroman „Nicht von dieser Welt„. Das eBook
stürmte Platz 1 der Kindle-Charts und hat sich seitdem über 30.000 mal verkauft. 2014 erhielt das „Autorenduo“ dafür den
„Indie-Autor-Preis“ der Leipziger Buchmesse. Ebenfalls als Vanessa Mansini veröffentlichte Meisheit 2014 die erfolgreiche Reihe „Im falschen Film„. Ende 2015 startete dann die eBook-Serie „L.I.E.B.E.

 

Lieber Michael,
beginnen wir mit den (fast) typischen Fragen jedes Interviews…
Erzähl uns doch bitte etwas über dich und deinen Werdegang als Drehbuchautor, Romanautor und Selfpublisher, was man vielleicht so nicht auf deinem Blog oder über deine Facebook-Seite erfahren kann.

Eigentlich wollte ich ja Regisseur werden. Aber eigentlich habe ich auch immer schon wahnsinnig viel gelesen und gerne Geschichten erfunden oder erzählt. Also war der logische Schritt, dass ich es als Drehbuchautor versuchte. Ich studierte in Ludwigsburg Film mit dem
Schwerpunkt Drehbuch. Und eigentlich wollte ich dann Filmdrehbücher schreiben. Aber dann wurde ich von Hans W. Geißendörfer mit 24 von der Filmakademie quasi abgeworben, um für die „Lindenstraße“ zu schreiben. Das Studium habe ich nie beendet. Na ja, und eigentlich dachte ich dann, dass ich immer beim Fernsehen arbeiten würde, weil es wirklich Spaß macht und unglaublich ist, so viele Menschen erreichen zu können. Aber dann kam das Selfpublishing. Und auf einmal konnte ich die Geschichten, die mir am Herzen lagen genauso erzählen, wie ich es wollte. Und das habe ich dann gemacht. Zunächst unter meinem normalen Namen, dann – etwas strategischer gedacht – als Vanessa Mansini. Als mein erster Roman „Nicht von dieser Welt“ dann auf Platz 1 der Kindle Charts landete, wusste ich, dass dies ganz sicher nicht der falsche Weg war…

 

Rede und Antwort stehen – Michael Meisheit mag seinen Beruf

Hast du schon immer eine Leidenschaft für Bücher gehabt? Wie hat alles begonnen und was gab den entscheidenden Anstoß, dein erstes Buch als Selfpublisher zu veröffentlichen?

Als Kind habe ich wahnsinnig viel gelesen. Aber dann habe ich irgendwann das Kino für mich entdeckt, das fortan die größere Rolle gespielt hat. Beruflich kam dann noch das Fernsehen hinzu. Letztlich ist für mich die Form aber sekundär: Ich erfinde und erzähle einfach für mein Leben gerne Geschichten. Dies als Selfpublisher zu tun, war vor allem deswegen reizvoll, weil ich mein eigener Chef sein konnte – anders als beim Fernsehen, wo – mal zum Vorteil, mal zum Nachteil – wahnsinnig viele Leute mitreden. Ich fand es enorm befreiend,
ungewöhnliche Geschichten so erzählen zu können, wie ich es wollte. Das sieht man auch an meinen Bücher: Sie passen nicht so richtig in feste Schemata. Sie sind immer irgendwie anders.

Ein Blick in das private Bücherregal von Michael und Vanessa

 

Nun eine Frage, die uns alle interessiert: Wie sieht ein typischer (Schreib-) Tag bei dir aus? Hast du bestimmte Vorgehensweisen, Routinen oder Orte? Schreibst du deine eigenen Bücher z.B. an einem anderen Ort als die Drehbücher für die Lindenstraße oder Rote Rosen? 
Die „Arbeit“ ist bei mir zweigeteilt. (Die Anführungsstriche bedeuten, dass ich vieles davon nach wie vor gar nicht als Arbeit ansehe – dafür macht es zu viel Spaß.) Und das ist sowohl beim Drehbuchschreiben als auch beim Romanschreiben sehr ähnlich: Einmal gibt es die Phase, in denen ich die Ideen suche, habe und vor allem entwickle. Das findet in meinem Kopf statt. Und daher ist es egal, wo ich es tue. Tatsächlich habe ich die besten Ideen, wenn ich mich fortbewege. Sei es ein Spaziergang, beim Schwimmen, einer Autofahrt oder im
Zug. In solchen Situationen finde ich oft die Lösungen, nach denen ich gesucht habe. Dann kommt Phase zwei: Das Schreiben. Und das findet recht unspektakulär hauptsächlich an meinem Schreibtisch statt. Der Arbeitstag wird dabei sehr klar von den Kindern strukturiert: Erst müssen die in die Schule oder den Kindergarten gebracht werden. Dann gibt es meist ein kleines Frühstück mit meiner Frau und ein erstes Checken der Social Media Ereignisse und Mails. Dann wird geschrieben – nur unterbrochen durch einen kleinen Mittagsimbiss und ein Nickerchen – bis mindestens ein Kind wieder versorgt werden muss, sei es mit Essen, Fußballtraining, Hausaufgaben oder einfach nur Bespaßung.

 

Ein Blick auf den kreativen Arbeitsplatz von Michael Meisheit

 

Woher nimmst du deine Ideen, was inspiriert dich. Und was tust du, wenn die Motivation mal nicht so will wie du?
Die Ideen sind einfach da. Und das zuhauf. Inspiriert vom Leben, vom Lesen und von allem, was um mich herum passiert. Sie auszuarbeiten ist die eigentliche Arbeit. Und dabei kann es auch schon mal haken. Dann gehe ich spazieren – siehe oben. Oder was auch hilft: Was anderes machen. Wenn ich nicht weiterkomme, höre ich einfach auf. Es gibt – gerade für einen Selfpublisher – ungemein viele Dinge zu tun. Werbung machen, Cover erstellen lassen, Bloginterviews geben. Und wenn ich mich lange genug abgelenkt habe, kommt dann meist auch ein frischer Gedanken für das Problem.
Was war das witzigste Erlebnis in letzter Zeit als Autor?
Vor kurzem hat mein Sohn (6) mitbekommen, wie ich mir den Entwurf für das Cover zum neuen L.I.E.B.E.-Roman angeschaut habe. Er hat es dann – in stark vereinfachter Form – nachgemalt. Und dann auch gleich das Cover der ersten Folge. Beide hat er ausgeschnitten und mir feierlich überreicht. „Hier hast du noch zwei Bücher, falls Du mal keine mehr hast.“ Man sieht: Bei uns arbeitet die ganze Familie mit.
Liebevolle Mitarbeit von
seinem Sohn (6)
Du bist ja der Begründer und einer der Indie-Autoren von 24 Stunden- 24 Autoren. Wie bist du zu den Lieblingsautoren gekommen? Da ich euch bei der Lesung in Leipzig kennengelernt habe, kam es mir so vor, als seid Ihr eine große Familie.

Die Lieblingsautoren sind aus einer Facebook-Gruppe hervorgegangen, die Daphne Unruh und ich vor nunmehr zwei Jahren gegründet haben. Und diese Gruppe mit sehr netten und auch erfahrenen Autoren ist für mich aus der Arbeit als Selfpublisher gar nicht mehr wegzudenken. Man ist ja eigentlich Einzelkämpfer, aber durch diese Kolleginnen und Kollegen hat sich das komplett umgekehrt. Wir tauschen uns aus, unterstützen uns, treffen uns regelmäßig und machen dann eben auch gemeinsame Sache – wie beim Messestand in Leipzig oder dem Buch „24 Stunden – 24 Autoren“. Und natürlich kann man mit dem geballten Know-How, den Erfahrungen und Kontakten, aber auch den vielen bereits erreichten Lesern, so viel mehr auf die Beine stellen als alleine…

 

Erzähl uns doch etwas über Vanessa Mansini – was ist das für ein Psydonym und welche Idee steckt dahinter? Das hört sich spannend an.
Ist „sie“ es wirklich??? ㋡

 

 

Vanessa Mansini war eigentlich ein PR-Gag für das Buch „Nicht von dieser Welt“. Dieses basierte auf einem fiktiven Blog, den ich 2011 geschrieben hatte. Und dort berichtet halt eine Vanessa über ihr ungewöhnliches Leben. Als ich daraus dann einen Roman gemacht habe, lag es nahe, Vanessa auch zur Autorin von diesem zu machen. Und es ist nun einmal eine Geschichte, die sich vor allem an Frauen wendet (aber nicht nur), also erschien es mir für die Werbung und den Verkauf besser, wenn es dafür einen wohlklingenden Frauennamen als Autorin gab. Das ist aufgegangen, Vanessa Mansini wurde zu einer Marke, die ich nun gerne beibehalte.
Aktuell hast du dein neues Buch „L.i.e.b.e“ veröffentlicht. Ist es für dich als „Profi“ in der Autorenwelt noch etwas Besonderes, ein neues Buch heraus zubringen? Was geht dir so durch den Kopf?

 

Das wird immer etwas Besonderes sein. In dem Fall aber gleich doppelt. Denn es ist auch der Auftakt zu einer neuen Reihe gewesen. Die wieder einmal sehr ungewöhnlich daher kommt. Es sind vergleichsweise kurze Romane (100 – 130 Seiten), die zwar aus abgeschlossenen Geschichten bestehen, aber mit einem immer wiederkehrenden „Agentenpaar“. Nur sind es keine Geheimagenten oder Polizisten, sondern Liebesagenten, die für „schwer vermittelbare“ Menschen die Liebe ihres Lebens finden sollen. Und gerade diese Mischung aus „Detektivarbeit“ und sehr emotionalen Liebesgeschichten ist so ungewöhnlich, dass ich nicht weiß, ob sich Leser dafür finden werden. Die anfängliche Resonanz war auch noch recht bescheiden, aber bei so etwas habe ich immer Geduld. Denn ich weiß, dass die Geschichten toll funktionieren und Spaß machen. Sie müssen jetzt halt nach und nach ihre Leser finden…

 

Welche Tipps hast du für junge Autoren, die gerade an ihrem ersten Buch schreiben?
Ganz wichtig: Diesem ersten Buch nicht zu viel Bedeutung zuschreiben. Kaum jemand ist mit seinem Debüt zum Bestsellerautor geworden. Natürlich packt man dort oft besonders viel Herzblut hinein, aber man sollte auch immer wissen: Man kann als Anfänger noch viel lernen. Und das geht am besten, indem man schreibt, schreibt, schreibt. Also nicht alles auf eine Karte setzen, sondern weitermachen…
Was machst du noch gern, wenn du nicht schreibst? 
Zeit mit meiner Familie verbringen. Die Kinder sind 4 und 6. Das ist ein wunderbares Alter. Wir sind dieses Jahr einige Male gereist, machen am Wochenende auf Ausflüge. Das ist zwar nicht immer entspannend, aber es bringt gute Laune und macht den Kopf frei. Und wenn dann noch Zeit ist, gucke ich Fernsehserien oder wir machen uns hier schöne Abende mit Freunden bei einem leckeren Essen und guten Weinen.
Was sind deine nächsten Projekte und Pläne – beruflich wie privat?
Zunächst einmal will ich noch mehr Folgen von „L.I.E.B.E.“ an den Start bringen. Ich habe schon wieder viel zu viele Ideen.
Allerdings auch für andere Bücher. Mal sehen, was das nächste Jahr da bringen wird. Ganz sicher wird wieder ein Stand mit den Lieblingsautoren auf der Leipziger Buchmesse dazugehören. Und natürlich schreibe ich auch noch für die „Lindenstraße“.

Michael, ich danke dir für dieses Interview!

ICH habe zu danken! Es war mir eine Freude.

Es hat Spaß gemacht – wir sehen uns zur Buchmesse in Leipzig! Grüße an deinen Sohn. Meine Tochter lässt fragen, warum du nicht seine tollen Zeichnungen als Cover genommen hast ;-).

 

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