Interview

“Aus heiteren Himmel hat mich die Schreibsucht überfallen!” – Interview mit Pea Jung [Interview]

26. Januar 2016

Pea Jung lebt mit Mann und vier Kindern in der Nähe von München. Neben ihrer Arbeit als Sozialpädagogin schreibt sie in der Freizeit humorvolle Liebes-geschichten mit Happy End.

Mit ihrem Debütroman DIE FALSCHE HOSTESS gelang der Überraschungserfolg – das Buch entwickelte sich in kurzer Zeit zum Bestseller. Seither begeistert jedes ihrer Bücher die stetig wachsende Leserschaft. Mittlerweile ist sie mit ihren Büchern eine erfolgreiche Self-Publisher-Autorin.Ihre Fantasy-Reihe “Clarabegeistert Jung und Alt. Es geht um ein Geheimnis, das nicht geteilt werden darf, aber trotzdem Claras Welt auf den Kopf stellt. Absolute Leseempfehlung für alle Fantasy-Fans! (-hier geht es zur Rezension Clara)Und hier das Interview mit Pea Jung!!! Viel Spaß dabei! 

Erzähle uns doch bitte etwas über Dich und Deinen Werdegang, wir möchten Dich gern näher kennenlernen!

Okay. Ich find mich gar nicht so interessant. Deswegen ist es immer schwierig, etwas über sich zu erzählen, finde ich. Meinen Mann habe ich in der achten Klasse kennengelernt. In der zehnten wurden wir dann ein Paar und verheiratet sind wir seit nunmehr 16 Jahren. Ich wollte immer zwei Kinder haben, mein Mann vier. Es ist klar, wer sich hier durchgesetzt hat. Jetzt möchte ich meine Vier natürlich nicht mehr missen.Ich war bestimmt keine Schülerin, der man eine glänzende Karriere als Autorin vorausgesagt hätte. Einer meiner Lehrer schrieb mir sogar unter den Aufsatz: „Hier ist wohl deine Fantasie mit dir durchgegangen.“ Diesen Satz werde ich nie vergessen, denn jetzt lasse ich es regelmäßig zu, dass die Fantasie mit mir durchgeht.

Mein Humor macht mir manchmal selbst Sorgen. Ich kann mich köstlich über Kleinigkeiten amüsieren. Oft finde ich Dinge lustig, die andere nur mit einem Fragezeichen kommentieren. Grundsätzlich lache ich eh sehr gerne und ich versuche, den Ernst des Lebens nicht täglich zu treffen. Versteckte Details in Filmen liebe ich und ich freue mich tierisch wenn ich sie entdecke.

Ich wünschte, ich hätte einen eigenen Terminator, der auf mich aufpasst.

 

Als Kind träumte ich davon, einmal mit MacGyver und einer Büroklammer die Welt zu retten

Ich bin niemand, der gerne im Mittelpunkt steht, aber ich habe gelernt, es zu genießen.Mein Autoren-Dasein hat mich verändert. Mein Kollege sagte zu mir neulich in der Arbeit: „Du leuchtest von Innen.“ So ein schönes Kompliment habe ich schon lange nicht mehr bekommen. Auch, wenn ich das selbst nicht von mir behaupten würde, verstehe ich, was er gemeint hat. Eigentlich wäre ich niemand, der auf einem Podium spricht, Lesungen veranstaltet, Interviews gibt etc. Ich bin eher vorsichtig und zurückhaltend. Mein Dasein als Pea Jung hat mir geholfen über mich hinauszuwachsen. Das hätte ich ohne die positive Rückmeldung meiner Leser nie hinbekommen. 

Hast du schon immer eine Leidenschaft für Bücher gehabt? Wie hat alles begonnen und was gab den
entscheidenden Anstoß, dein erstes Buch zu veröffentlichen?

Ja, ich glaube, dass jeder Autor eine Leidenschaft für Bücher hat. Ich muss allerdings zugeben, dass ich bestimmt nicht so viel lese wie manch anderer Bücherwurm und ich kann auch mit vielen Autorennamen nichts anfangen.

Begonnen hat das mit der Schreiberei eigentlich schon in der Kindheit. Zusammen mit einer Freundin haben wir gruselige Kurzgeschichten geschrieben, um uns gegenseitig zu erschrecken. Mit Anfang Zwanzig hatte ich dann konkret den Traum vom eigenen Buch, bin aber nicht über ein paar Kapitel hinausgekommen. Erst vor ungefähr zwei Jahren hat mich aus heiterem Himmel die Schreibsucht überfallen. Das mit dem Veröffentlichen war damals gar nicht zur Debatte gestanden. Ich wollte einfach mein Buch schreiben bzw. wollte es aus mir heraus!

Als Clara I dann fertig war und ich nicht mit der Reihe aufhören konnte, wollte ich es gerne veröffentlicht sehen. Einen entscheidenden Anstoß dazu gab es nicht direkt. Es war vielmehr eine Verknüpfung von mehreren Dingen, die zu dieser Entscheidung geführt hat. Im beruflichen Umfeld machten meine Kollegen und ich uns Gedanken, wie man unsere Bewohner dazu anregen kann, ihre Komfortzone zu verlassen und Neues zu probieren. Da hab ich mir auch viele
Gedanken über meine Komfortzone gemacht. Wir haben uns im Kollegenkreis auch mit der Rausch- und Risikopädagogik befasst – das hat nichts mit Alkoholrausch zu tun. Es geht hier vielmehr um eine geplante Risikobereitschaft nach dem Motto: Spring! Aber mach dir vorher Gedanken, wo du landen wirst.Hinzu kam auch, dass mein Mann sich komplett in die Selbstständigkeit stürzen wollte. Bei mir war so das Gefühl da: Jetzt oder nie!
Als dann mein Bruder gesagt hat, er würde mir mit den technischen Details helfen gab es eigentlich nicht mehr viel zu überlegen. 

Wie sieht ein typischer (Schreib-)Tag bei dir aus? Hast du eine bestimmte Vorgehensweise oder Routine? Sicherst Du mittlerweile Deine Dateien doppelt und regelmäßig 😉 ?

Leider habe ich keine Schreibroutine. Seit Juni arbeite ich auch wieder mehr in meinem Beruf als Sozialpädagogin. Zumindest habe ich die absolute Freiheit zu Schreiben oder eben nicht zu Schreiben. Am Besten ist es am Abend – sollte ein Schreibflow eintreten, dann kann ich ihn da am Besten
ausleben. Seit Kurzem bin ich stolze Besitzerin eines gebrauchten Mac´s. Mein Arbeitsplatz ist somit aus der Küche ins Esszimmer befördert worden – was für ein Aufstieg! Mittlerweile sichere ich meine Dateien unendlich, da mir schon einmal große Teile meiner Clara-Reihe verloren gegangen waren. Ich habe eine interne und eine externe Festplatte (mit Zeitmaschine) und zusätzlich noch Speichersticks.

Welche Schreibutensilien oder Rituale sind für Dich wichtig?

Musik ist ganz wichtig für mich. Mit Musik kann ich verschiedene Stimmungen verstärken, die sich dann hoffentlich im Endprodukt niederschlagen. Da kann es schon einmal vorkommen, dass ich stundenlang den gleichen Song in Dauerschleife anhöre und mein Umfeld damit nerve. Kaffeesüchtig bin ich sowieso – das hat aber nichts mit meinem Autorendasein zu tun.

Ich stelle es mir schwierig vor, Familie mit vier Kindern und den üblichen Alltag mit dem
Schreiben in Einklang zu bringen. Wie schaffst Du das?

Es ist ein fast unmöglicher Spagat. Seit ich wieder mehr als Sozialpädagogin arbeite, kommt das Schreiben eindeutig zu kurz. Leider.
Meine Kinder und ich haben unsere festen Rituale, auf die ich nichts kommen lasse. Ganz entsetzlich leidet mein Haushalt. Ich glaub, ich war noch nie zur Hausfrau geboren, aber jetzt ist es eindeutig schlimm. Mit der
Wäsche komme ich nicht mehr nach – aber ich glaub, dass geht nicht nur mir so. Toll finde ich, dass mein Mann und meine  Kinder mich so unterstützen. Am Anfang war es für alle merkwürdig, dass ich jetzt eben auch ein Schreibleben am PC habe und vor allem, dass ich plötzlich einen anderen Namen habe. Mit meinen Kindern habe ich regelmäßig Diskussionen, weil sie nicht so lange vorm PC sitzen dürfen wie ich. Sie verstehen noch nicht so ganz, dass ich ja auch Geld mit der Tätigkeit verdiene. Witzig fand ich meinen großen Sohn. Er hat mich erst gegoogelt und dann gemeint. „Woah, Mama. Du bist ja voll berühmt.”

Wissen Deine Kinder,
dass Du als Pea Jung als Autorin unterwegs bist und was sagen sie dazu?

Okay, ich glaub diese Frage hab ich oben grad schon beantwortet. Ich glaube, die finden das cool und sind stolz auf ihre Mama. 

Woher nimmst du deine Ideen, was inspiriert dich? 

Ideen kommen mir ständig und überall, auch – wenn ich es gar nicht gebrauchen kann. Gerade ist mir wieder eine tolles Grundgerüst für einen Roman eingefallen. Die Geschichte entwickelt sich einfach ungefragt in mir, obwohl ich lieber Clara IV schreiben würde. Inspirierend kann auch alles sein. Ein Bild, ein Musikstück, ein Film, eine Beobachtung. Am interessantesten finde ich Menschen. Ich mag (fast) alle Menschen. Ihre kleinen Eigenheiten, Erfahrungen und Lebensgeschichten haben mich schon immer interessiert. Ich höre gerne zu. Aber keine Angst – nicht alles, was mir anvertraut wird, landet dann sofort im nächsten Roman.

Welche Gemeinsamkeiten hast Du mit Clara?

Wir haben viele Gemeinsamkeiten aber auch genau gegenteilige Verhaltensweisen. 

Das find ich so schön am Autorin sein. Alles kann verwirklicht werden.

Gemeinsam haben wir die Liebe zur Musik und die soziale Ader. Wie Clara trage ich gern Jeans. Manchmal bin ich auch so naiv. Ich finde
Helikopter toll, gehe gerne mexikanisch Essen, mag London, kann mit Fußball nicht viel anfangen, halte es nicht aus überrascht zu werden. Als Kind hatte ich Hasenzähne. Mehr fällt mir gerade nicht ein, aber es gibt sicher noch viele Kleinigkeiten.

Gegenteil: Ich bin überhaupt nicht spontan. Für Entscheidungen brauche ich ewig und ich wäge gründlich ab. Ich habe leider nicht mehr so schön hellblondes Haar und ich bin nicht klein und zierlich. Leider habe ich auch keine geheime Gabe. 

Wie wichtig sind die sozialen Medien für Dich und warum.  Du schaffst es, immer für deine Leser erreichbar zu sein, beantwortest Nachrichten und Emails. Hilft Dir jemand?

Der Kontakt zu Lesern und auch Kollegen ist hauptsächlich über die sozialen Medien. Ich genieße es, in direktem Kontakt mit den Personen zu sein, die meine Bücher gelesen haben. Im schriftlichen Austausch bekomme ich meist ganz gut ein Gefühl für die Person am anderen Ende der Leitung und umgekehrt ist es genauso denke ich. Ich finde es auch toll, wenn ich eine Autorin anschreibe, deren Buch ich gelesen habe und sie antwortet mir. Von Kollegen bekomme ich auch oft Hilfe, wenn ich Fragen habe oder aufbauende Worte,
wenn sie nötig sind. Meine Nachrichten und Emails beantworte ich alle selbst. Das nimmt teilweise viel Zeit in Anspruch, macht aber Spaß. Wenn ich im Urlaub bin, hat mein Bruder einen Blick auf meine Facebook-Seite. Er kümmert sich auch um meine Homepage und gestaltet die tollen Banner für mich.

Was machst Du noch gern, wenn Du nicht gerade schreibst?

Ich unternehme gerne gemeinsam etwas mit meiner Familie. Wir gehen gerne in die Berge, Fahrradfahren, in Freizeitparks oder ins Kino.
Eigentlich fällt uns immer etwas ein, was wir unternehmen wollen. Mit meinen Freundinnen gehe ich gerne Frühstücken. Du merkst schon, hier kommt die Kaffeelust wieder durch.

Was sind Deine nächsten Pläne – beruflich wie privat?

Jetzt steht erst einmal die Buchmesse in Frankfurt auf dem Plan. Bis dahin und nicht viel weiter denke ich momentan. Als Sozialpädagogin mache ich jetzt eine Weiterbildung zum Demenzhelfer. Als Autorin wird es an Weihnachten vielleicht eine Kurzgeschichte von mir geben, deren Inhalt allerdings noch ganz geheim ist. Nur so viel: Es hat etwas mit Weihnachten zu tun. ;)Ich bin mir noch nicht so hundertprozentig sicher, ob ich sie auch veröffentlichen werde. Mal sehen! Ansonsten wird es kein Projekt vor Clara IV mehr geben. Das hat höchste Priorität. Und danach lasse ich einfach alles auf mich zukommen. Ich bin offen für alles. Privat bin ich wunschlos glücklich – also keine Pläne in dieser Hinsicht.
Buchmesse Leipzig 2015 – Lesung mit Pea Jung
 Liebe Pea, vielen lieben Dank für das Interview.

Merken

Merken

Merken

Merken

You Might Also Like

Keine Kommentare

♥ Hinterlasse mir ein Kommentar ♥ .

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen